Das Kunsthaus Mürz

Die Kirche der Franziskaner

blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Kirche und Kloster wurden Mitte des 17. Jahrhunderts von Mönchen des Franziskanerordens errichtet. Die Aufhebung erfolgte nicht durch Joseph II, sondern erst im Jahr 1799. Der Bestand des Klostergebäudes war nicht von Dauer.

Kirche und Kloster dienten dann als vorübergehende Bleibe für Schmiede, Wagner und Frächter: Güter mussten über den Semmeringpass transportiert werden. Weitere Nutzungen waren Hotel, Wirtshaus, Atelier, Magazin, Theatersaal, Unterkunft für am Bau der Semmeringbahn beschäftigte Arbeiter, Malzdörre, Tischtennishalle: Nun das kunsthaus muerz.

Zeitgeschichte

Die ehemalige Kirche der Franziskaner war durch spätere Zubauten straßenseitig so verunstaltet, dass ihre Bedeutung als Baudenkmal weitgehend unentdeckt blieb: sie war dem Verfall preisgegeben und zum Abbruch bestimmt. Josef Pillhofer erkannte den kulturhistorischen Wert dieser Kirche. Daraufhin wurde die Walter Buchebner Gesellschaft tätig. Das Bundesdenkmalamt stellte die Kirche unverzüglich unter Denkmalschutz: Somit war ihr Bestand gerettet.

Die Walter Buchebner Gesellschaft – aus ihr ging die kunsthaus muerz gmbh hervor – erstellte ein Nutzungskonzept für ein Kunsthaus, das von Landeshauptmann Josef Krainer aufgegriffen wurde. Er beauftragte den Architekten Konrad Frey, die alte Kirche zu revitalisieren und mittels attraktiver Zubauten aus Glas, Stahl und Beton zu einem Kunsthaus zu formen. Die Landesausstellung 1991 „Sport, Sinn und Wahn“ eröffnete für dieses Bauvorhaben den finanziellen Rahmen. Mit weiteren Zuwendungen des Bundesdenkmalamts, des Ministeriums für Unterricht und Kunst und der Stadt Mürzzuschlag konnte das Gebäude umgestaltet werden: So erhielt die Region ihr Kunsthaus!

Historische Franziskanerkirche

die kunsthaus muerz gmbh

ist das Unternehmen, das ein qualitätsvolles Kulturprogramm in den Sparten Literatur, bildende Kunst, Architektur und Musik in diesem Haus plant und implementiert. Zeitgenössische Kunst und klassische Moderne bilden einen programmatischen Schwerpunkt. Der Etat wird von Stadt, Land, Bund und Partnern bereitgestellt.

Nahe am Semmering, einem Brennpunkt österreichischer Geistesgeschichte von europäischer Bedeutung, entfaltet das kunsthaus muerz Aktivitäten in Kunst, Wissenschaft und regionaler Entwicklung als Demonstration überregional wirksamen Schaffens. Die über den Pass führende von Carl Ritter von Ghega geplante Eisenbahn ist das bestimmende Juwel der UNESCO- Welterbe-Region Semmering-Schneealpe.

Struktur

Die drei Ebenen des kunsthauses muerz haben folgende Funktionen:

Die untere Ebene, genannt Clix, ist der Veranstaltungsraum für Lesungen, kulturwissenschaftliche Veranstaltungen und die Konzerte der Reihe „Alternate“.

Der Saal in der mittleren Ebene ist nach dem Autor Walter Buchebner benannt. In diesem finden große, überwiegend themenorientierte Ausstellungen bildender Kunst und Architektur statt.

Die obere Ebene ist der Konzertsaal, der eine phänomenale Akustik aufweist. Dieser Saal ist nach Anton Webern benannt, der sich oftmals in den Sommermonaten komponierend bei Verwandten in Mürzzuschlag aufhielt.

Architektur

Den Bestand zu erhalten, sorgfältig zu restaurieren, von Einbauten freizuhalten und ihn so zur Gänze nutzbar zu machen: Das war das Grundkonzept des Grazer Architekten Konrad Frey.

An den revitalisierten Altbau wurde straßenseitig ein Zubau angefügt, der schräg nach oben hin aus der Vertikale zur Wiener Straße gekippt ist. In diesem finden sich Zugänge, Foyers, Verwaltung und Nebenräume: Ein Stahlgerüst aus Plattformen, Treppen und Rampen, überzogen mit einer Glashülle.

Flexible Raumteilung, Beleuchtung und technische Infrastruktur eröffnen der kunsthaus muerz gmbh allen Spielraum für ihre Aktivitäten als offenes Haus für alle.

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Walter Buchebner

Walter Buchebner

Walter Buchebner war eine der markantesten lyrischen Stimmen im Nachkriegsösterreich. Hin- und hergerissen zwischen Tradition und Avantgarde, entwickelte er als Bewunderer der amerikanischen Beat-Poeten seine radikale »Active Poesie Der Band enthält die erst nach Buchebners frühem Tod publizierten Bände zeit aus zellulose und Die weiße Wildnis sowie bisher unveröffentlichte Gedichte und Tagebuchaufzeichnungen aus dem Nachlaß – außerdem erstmals eine repräsentative Auswahl aus seinem bildnerischen Werk. Ich die eule von wien dokumentiert auf beklemmende Weise den Weg dieses mit selbstzerstörerischer Intensität für sein Werk brennenden Dichters und spiegelt die stickig-explosive Atmosphäre im Wien um 1960.

Walter Buchebner geboren 1929 als Sohn eines Arbeiters in Mürzzuschlag, desertierte 1945 vom Volkssturm. 1948 zog er nach Wien, um Germanistik und Geographie zu studieren. 1951 erste Gedichtpublikationen in der Zeitschrift neue Wege. 1954 brach er sein Studium ab und heiratete seine Jugendfreundin. Erarbeitete u.a. als Monteur, Bauarbeiter und Fahrdienstleiter, ehe er 1956 eine Anstellung bei den Wiener Städtischen Büchereien fand. 1959 erste Symptome einer schmerzhaften unheilbaren Nierenkrankheit. Erhielt 1960 den Förderungspreis des Wiener Kunstfonds für Literatur. 1962 den Theodor- Körner-Preis für Lyrik. 1963 begann Buchebner mit Tusche- und Ölmalerei. 1964 nahm er sich in Paris das Leben.

Walter Buchebner – ich die eule von wien