BOSNIEN-HERZEGOWINAS ZUKUNFT

VALENTIN INZKO I HUBERT PATTERER

19.00 Uhr
Hubert Patterer im Gespräch mit Valentin Inzko

20.30 Uhr 
Empfang durch
Karl Rudischer
Bürgermeister der Stadt Mürzzuschlag

 

Die in unmittelbarer Nachbarschaft Österreichs virulente Krise in Bosnien-Herzegowina ist weithin durch zwei Ereignisse bekannt:
1878 erfolgte die Annexion von Bosnien-Herzegowina, 1908 die Eingliederung in das Habsburgerreich. Dies führte zu einer verhängnisvollen Zuspitzung der politischen Kräfteverhältnisse auf dem Balkan.
Die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo. Dies war der Anlass, der zum Ersten Weltkrieg und zum Untergang der Österreich-Ungarischen Monarchie führte.

In der Kriegserklärung Kaiser Franz Josefs an Serbien „An Meine Völker“ finden sich auszugsweise folgende Passagen: „In dieser ernsten Stunde bin ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewusst. Ich habe alles geprüft und erwogen. Mit ruhigem Gewissen betrete ich den Weg, den die Pflicht Mir weist“.
Die nächste Tragödie war der von 1992 bis 1995 währende Bürgerkrieg im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens, in dem sich der Völkermord von Srebrenica zugetragen hat. Serbische Paramilitärs unter Führung von Ratko Mladić ermordeten 8.000 großteils männliche Bosniaken. Dieses Massaker gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen.

Das Abkommen von Dayton vom Dezember 1995 beendete diesen Krieg, der rund 100.000 Todesopfer forderte. Der in Paris unterzeichnete Vertrag schuf eine hochkomplexe staatliche Struktur: die der bosniakisch-kroatischen Föderation und der serbischen Republika Srpska. Das Land wird von einem dreiköpfigen Präsidium regiert. Unter der Ägide der UNO wurde das Amt des Hohen Repräsentanten geschaffen, das mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet ist: Unter anderem auch die Befugnis, gewählte Politiker zu entlassen, Gesetze zu erlassen und neue Behörden zu schaffen.

30 Jahre nach dem Abkommen ist das Land stark zersplittert. Die Komplexität der auf ethnischen Linien aufgebauten Regierungsstrukturen führt oft zu politischen Blockaden. Der Krieg wurde zwar beendet, es fehlt aber eine zukunftsorientierte Staatsstruktur, die die Integration des Landes in die Europäische Union erschwert.

 



Valentin Inzko
Geboren in Klagenfurt. Studium der Rechtswissenschaften, Serbokroatisch und Russisch an der Universität Graz. Promotion zum Dr. juris. Absolvierung der Diplomatischen Akademie in Wien. Eintritt in das Außenministerium. Verschiedene Positionen bei den Vereinten Nationen in New York. Kulturrat an der Botschaft in Prag. Botschafter in Sarajevo für Bosnien und Herzegowina. Botschafter in Ljubljana für die Republik Slowenien. 2009 kehrte Inzko nach Bosnien-Herzegowina als Hoher Repräsentant und EU-Sonderbeauftragter dieses Landes zurück, um die Umsetzung des Dayton-Abkommens zur Konsolidierung des Landes auszuführen. Seine Bestellung erfolgte durch die UNO mit überwältigender Mehrheit. Nach 12 Jahren beendete er seine Tätigkeit. Inzko wurde ausgezeichnet mit dem Orden der Freiheit der Republik Slowenien, dem Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, dem Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Hubert Patterer
Geboren in Villach. Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Klagenfurt. Sponsion zum Magister der Philosophie. Leitung der Ressorts Sport, Kultur und Lokales bei der Kleinen Zeitung Klagenfurt, Ernennung zum stellvertretenden Chefredakteur. 2000 Wechsel zur Kleinen Zeitung nach Graz. 2006 Bestellung zum Chefredakteur. Seit 2025 ist Patterer Herausgeber der Kleinen Zeitung. Mehrmalige Auszeichnungen zum „Chefredakteur des Jahres“, Verleihung des Kurt Vorhofer Preises 2024.

 

 

Eintritt frei

Infos & Tickets

Do / 07.05.2026
ab 19.00 Uhr
kunsthaus muerz
€ freier Eintritt