Das Zweite Vatikanische Konzil – Kirche im Aufbruch?

[b]Weihbischof Helmut Krätzl Thomas Götz, stellv. Chefredakteur der Kleinen Zeitung[/b] Das \"Akademische Wirtshaus\" hat der Philosoph Leopold Kohr im Zuge seiner mehrfachen Aufenthalte im Mürztal begründet. Es ist dies ein Diskurs unter Gleichen. Die Referenten sprechen zum Thema, das Publikum ist zur Mitgestaltung eingeladen. Das epochale II. Vatikanum fand von 1962 – 1965 statt. Weihbischof Krätzl hat in der Konzilsaula des Petersdoms als Stenograph dessen Verlauf verfolgt. \"50 Jahre nach dessen Beginn sollte wieder mehr Freude und Wille zur Erneuerung in der Kirche Einzug halten, das Potenzial des Konzils sei in vielen Bereichen immer noch nicht entsprechend gehoben\", so Weihbischof Krätzl. Das vom Konzil aufgezeigte Prinzip der Kollegialität der Bischöfe mit dem Papst sei noch viel zu wenig entwickelt. Krätzl verwies auf das \"gemeinsame Priestertum\" aller Getauften. Laien und Klerus müssten gemeinsam Sorge und Verantwortung für Kirche und Welt tragen. Das Konzil habe betont, dass Laien vertrauensvolle Aufgaben in der Kirche zu übertragen seien und ihnen auch Freiheit und Raum im Handeln eingeräumt werden müsse. Zur vom Konzil angestoßenen Liturgiereform meinte Krätzl, dass diese unbedingt weitergeführt werden müsse. Es brauche eine größere Vielfalt an liturgischen Texten. Es sei nicht einzusehen, warum in liturgischen Fragen immer noch alle Letztentscheidungen bei Rom liegen. Als weiteren wesentlichen Punkt des Konzils nannte Krätzl eine neue Sicht der Ehe, die nicht mehr allein auf die Weitergabe des Lebens verstanden wurde. Ebenso wurde eine neue Offenheit hin zu den anderen christlichen Kirchen und zum Judentum postuliert. Als wohl eindringlichstes Dokument des Konzils bezeichnete Krätzl jenes über die Religionsfreiheit. Hier hätten die Konzilsväter eine vollständige Wende vollzogen. Zuvor habe die Position gegolten, dass es keine Religionsfreiheit geben könne, \"weil die Wahrheit ihr Recht hat\". Religionsfreiheit urteile – nach dem neuen Verständnis – aber nicht über die Wahrheit dieser oder jener Religion, \"sondern spricht dem Menschen in seiner Würde zu, nach seinem Gewissen eine Religion auszuüben\" [b]Helmut Krätzl[/b] wurde 1954 in Wien von Kardinal Theodor Innitzer zum Priester geweiht und war anschließend Kaplan in Baden bei Wien. 1956 wurde er Mitarbeiter von Erzbischof Franz König.1959 wurde er an der Universität Wien zum Doktor der Theologie promoviert. Er studierte in Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana, an der er 1964 zum Doktor des Kirchenrechts promoviert wurde. Von 1964 bis 1969 war er Pfarrer in Laa an der Thaya. Am 1. September 1969 wurde er zum Ordinariatskanzler der Erzdiözese Wien bestellt.1977 wurde er von Papst Paul VI. zum Weihbischof für die Erzdiözese Wien ernannt. Krätzl empfing im gleichen Jahr im Stephansdom in Wien die Bischofsweihe durch Kardinal Franz König. Im Zeitraum 1981 bis 1985 war der neue Weihbischof Generalvikar der Erzdiözese Wien. Nach dem Rücktritt von Kardinal König war Krätzl bis zum Amtsantritt von Erzbischof Hans Hermann Groer im Jahr 1986 Diözesanadministrator der Erzdiözese Wien. Groer ernannte 1987 Krätzl zum Bischofsvikar für die Bereiche Erwachsenenbildung und Priesterfortbildung. Auch unter Kardinal Christoph Schönborn hat er diese Funktion ausgeübt. Seit 2004 ist Krätzl Bischofsvikar für ökumenische Fragen. 2008 nahm Papst Benedikt XVI. sein aus Altersgründen eingebrachtes Rücktrittsgesuch an. [b]Thomas Götz[/b] wurde 1957 in Graz geboren, absolvierte das Gymnasium in Klagenfurt und studierte Jus an der Universität Graz. Redakteur der \"Kleinen Zeitung\", 1993 bis 96 Redakteur der Tageszeitung \"Die Presse\", 1996 bis 2004 Korrespondent in Rom, 2004 bis 2006 stv. Nachrichtenchef der Berliner Zeitung, seit 2006 stv. Chefredakteur der \"Kleinen Zeitung\", seit Mai 2012 zudem Leiter deren Wiener Redaktion. [b]freier Eintritt[/b]

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Di / 16.04.2013
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