B-Seiten des Semmering

Eine Kulturlandschaft im Wandel

Das Magazin basiert auf den Erfahrungen einer Busexkursion durch die Region, die im Rahmen der „Ideenwerkstatt (Steirischer) Semmering“ am 3. und 4. November 2023 vom kunsthaus muerz in Mürzzuschlag veranstaltet wurde und einem Seminar mit dem Titel „Die B-Seiten des Semmering. Eine Kulturlandschaft im Wandel“ am Institut für Kunst und Gestaltung an der Architekturfakultät der TU Wien im Sommersemester 2024.

Den Anlass zur Ideenwerkstatt und zum Seminar bildete die Diskussion einer potentiellen Neupositionierung der Welterbe-Regionen um den Semmering nach der Fertigstellung des Semmering-Basis-Tunnels im Jahr 2030, wenn die Fahrzeit für den Personen- und Güterverkehr signifikant reduziert sein wird und die östlichen Voralpen als Folge der Klimaveränderung in Zukunft während der Sommermonate ein im Vergleich zu den dann zeitnah und umweltfreundlich erreichbaren aber zunehmend überhitzten urbanen Ballungsräumen eine steigende Lebensqualität anbieten.

Die Semmering gilt heute als sommerliches Naherholungsgebiet der Wiener:innen, das an seine großartige Vergangenheit mit seinen mondänen Palasthotels und Villen für das Großbürgertum anzuknüpfen versucht. Als Tourismusattraktion kam der Semmering jedoch erst durch den Bau der Semmering-Bahn ins Spiel, als Nebenprodukt einer bedeutenden Bahnverbindung zwischen Wien und Triest bzw. zwischen Kohle- und Erz-Abbauregionen und Schwerindustriestandorten, letztere wurden gerade durch Bahn zu Füßen des Semmerings massiv ausgebaut. Diese nun um die Täler, Seitentäler erweiterte Semmering-Landschaft ist heute weitgehend von transnationalem Transit- und regionalem Pendler-Verkehr geprägt, der durch den aktuellen Bau des Semmering Basis Tunnels beschleunigt und verstärkt werden wird – zum Vor- oder Nachteil der Region?

Über die Jahrzehnte haben sich hier durch Bahnbaustellen, Autobahnen, Schwerindustrie und Tourismus unterschiedlichen Arbeitskulturen entwickelt, parallel dazu wurde die Landschaft physisch in beindruckenden Ausmaßen überformt.

„B-Seiten des Semmering“ meint hier mit Verweis auf die gute alte Vinyl-Schallplatte nicht nur die Kehrseite, sondern auch jene Bauten, Bilder, Geschichtsstränge, Erfahrungen und Erzählungen die, im so dominanten Semmering-Diskurs um die Geschichte der Ghega-Bahn und die Sommerfrische der Eliten des Fin de Siecle und deren wiederholten Thematisierungen gar NICHT vor oder zumindest zu viel kurz kommen.

Und zu kurz kommen die vielen Brüche und Krisen, die massiven Baumaßnahmen der jüngeren Geschichte und Gegenwart, die vielen Akteure die am Bau und Betrieb beteiligt waren und sind – und vor allem die steirische Seite.

Copyrigt Foto: Simon Oberhofer

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