»Die große Zange der Literatur« Symposium, Literaturfest und Ausstellung Günter Brus und Dieter Roth – Künstlerdichter

Günter Brus und Dieter Roth waren freundschaftlich, in den siebziger Jahren auch durch Kooperationen, miteinander verbunden. Ihr literarisches Werk – bei beiden handelt es sich keineswegs um Nebenprodukte oder Seitenwege – steht bis heute im Schatten ihrer längst international beachteten Kunst. Während sich im Œuvre von Günter Brus Text und Bild untrennbar durchdringen, betrachtete Dieter Roth seine Dichtung – publiziert in einer Reihe von Künstlerbüchern – sogar als seine Haupttätigkeit und sprach davon, dass seine Kunst dazu diene, die literarische Arbeit zu finanzieren. Das Symposium „Künstlerdichter“ will erstmals konzentriert den Fokus auf das literarische Schreiben von Brus und Roth lenken. In Vorträgen von AutorInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen wird Brus’ und Roths stärker der Literatur zuordenbares Werk beleuchtet, aber auch das verwickelte Verhältnis von Text und Bild in den Blick genommen. An den Abenden lesen AutorInnen, auf die das Werk der beiden einen entscheidenden Einfluss ausgeübt hat, aus ihren Werken. Nach einer frühen konkreten Phase im Umkreis der Zeitschrift „spirale“, die er 1953 gemeinsam mit Eugen Gomringer gründete, begann Dieter Roth zu „schmieren“ und zu „wüten“, verwurstete Bücher zu „Literaturwürsten“ und führte das Künstlerbuch an radikale Grenzen. 1966 erschien der Gedichtband „Scheisse“, der in der Folge noch eine Reihe von Erweiterungen erfuhr. Günter Brus hat neben seinem bildkünstlerischen und aktionistischen Werk seit den frühen siebziger Jahren im intermedialen Bereich zwischen Literatur und Kunst eine originäre „Zwischengattung“ entworfen: Seine „Bilddichtungen“ verzahnen die unterschiedenen Symbolsysteme von Bild und Sprache in blitzhaft einander erhellenden Ausdruckszeichen, die nicht Vorgängiges in zweifacher Weise abbilden, sondern ausschließlich auf diese Weise Ausdrückbares erschaffen. [img]http://www.kunsthausmuerz.at/media/brus.jpg[/img] Aber auch in der reinen literarischen Gestaltung hat Brus, z.B. in seinen autobiographischen Schriften („Die gute alte Zeit“, „Das gute alte Wien“, "Das gute alte West-Berlin", "Von nirgendwo her bis irgendwo hin"), eine aus dem Bilddenken heraus motivierte Sprache erfunden, gerade wenn er in diesen Schriften häufig auf die Montage von vorgefundenen Sätzen setzt. Wer sich dem dichterischen und bildnerischen Werk des 1998 verstorbenen Künstlers Dieter Roth in analytischer Betrachtung nähert, gerät unweigerlich in die Gefahr, dass der Blick von Spiegeln verstellt wird, die Roth selbst aufgestellt hat, und die interpretatorischen Volten auf dem immer blanker werdenden Glatteis unschön ausgleiten. Dennoch könnte der Nachvollzug des Scheiterns bei der Beschäftigung mit diesem entropischen Anti-Gesamtkunstwerk, zu dem sich Roths Kunst und Lebenspraxis zunehmend auswuchsen, einiges erfahren lassen über die Grenzen der Malerei und Poesie und deren Einschätzung durch einen diese überschreitenden (oder: -hüpfenden) Künstlerdichter. [b]Programm [/b] [b]donnerstag, 20.9.2018 / 19.00 uhr galerie kunsthaus muerz[/b] Eröffnung der Ausstellung [b]Günter Brus und Dieter Roth[/b] Zur Ausstellung spricht [b]Roman Grabner[/b] Dauer der Ausstellung: 21.10.2018 [b]freitag, 21.9.2018 / kunsthaus muerz 10.00 – 13.00 uhr[/b] Block: Künstlerdichter I: Günter Brus [b]Roman Grabner:[/b] „Die Gegensätze schwinden im Rausch". Zu den Bild-Dichtungen von Günter Brus [b]Mechthild Rausch:[/b] Exil mit Pauken und Trompeten. Der literarische und musikalische output von Günter Brus und seinen Freunden in der Berliner Verbannung [b]Gisela Steinlechner:[/b] WORTISSIMO! Einige Beobachtungen zu Günter Brus´ „Direktdichtung“ [b]15.00 – 18.00 uhr[/b] Block: Künstlerdichter II: Dieter Roth [b]Johannes Ullmaier:[/b] »Der mit sich durch die Scheisse geht. Über Dieter Roths lyrische Spur« [b]Florian Neuner:[/b] Unter einer Schutzschicht aus Dreck. Koprolalie, Entropie, Subversion [b]Georg Oberhumer:[/b] Einige Fehler, die sich die Literatur von Dieter Roth erlaubt [b]19.00 uhr[/b] Lesungen [b]Gundi Feyrer, Christian Filips, Nils Röller & Christian Steinbacher Moderation: Florian Neuner[/b] [b]samstag, 22.9.2018 / kunsthaus muerz 10.00 – 13.00 uhr[/b] Block: »Der Zustand des Papiers« – Dieter Roths Frühwerk zwischen Buchkunst und Sprachkritik [b]Michael Glasmeier:[/b] Konstellationen. Dieter Roths literarische Anfänge [b]Maggie Rosenau:[/b] The Medium is The Poem: Reading Semiotic Nothingness in Dieter Roth’s Early Books [b]Thomas Eder:[/b] »der Pseudo-mitteilungscharakter des Poetischen«. Mundunculum, ein tentatives Logico-Poeticum [b]14.30 – 18.30 uhr[/b] Block: »Noch mehr Scheisse« – Roth-Lektüren [b]Will Krieger:[/b] Der Witz des strategischen Dilettantismus: Dieter Roths »Bastel-Novelle Nr. 1« [b]Franz Josef Czernin:[/b] Zu Dieter Roths Sonetten und einigen anderen Dingen [b]Bertram Reinecke:[/b] »Man sah das Meer so wie man sah«. Relektüre eines Sonetts [b]Paul Pechmann:[/b] murmelt murmel? zu Dieter Roths konzeptuellem stück »murmel« (1974) [b]19.00 uhr[/b] [b]Film: [/b] Dieter Roths letzte Lesung [b]Performance:[/b] DieDiterminierung! Eine Post-Fluxus-Aktion von Maximilian Brauer [b]sonntag, 23.9.2018 / kunsthaus muerz 09.30 – 11.00 uhr[/b] Block: »poeterei und posiererei« – nach Dieter Roth [b]Malcolm Green:[/b] Translation, transliteration, translocation … Dieter Roth als Hinübersetzer [b]Mara Genschel:[/b] Übungen gegen Dieter Roth [b]11.00 – 13.00 uhr[/b] Abschließende Podiumsdiskussion: [b]Thomas Eder, Malcolm Green, Florian Neuner, Mechthild Rausch, Nils Röller, Johannes Ullmaier, Ingrid Wiener[/b] [b]freier Eintritt[/b] In Zusammenarbeit mit dem BRUSEUM/Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum

Infos & Tickets

Do / 20.09.2018  - So / 23.09.2018
Uhr
kunsthaus muerz

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