Erstes Wiener Heimorgelorchester «Ütöpie»

Wenn man von Fritz Ostermayer als \"beste Band aller Zeiten\" bezeichnet wird, gibt es keinen Grund, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Dennoch halten sich die Herren Florian und Daniel Wisser, Jürgen Plank und Daniel Pfeffer tendenziell gern im Hintergrund. Wenn sie doch an die Öffentlichkeit treten, dann unter dem Firmensignet Erstes Wiener Heimorgelorchester (kurz EWHO). Seit 2009 ist das öfter der Fall. \"Widerstand ist Ohm\" hieß der Siegertitel des damaligen Protestsongcontests. Und, ja, er stammt von niemand anderem als dem Lötkolben-Quartett. \"Widerstand ist Ohm\" brachte und bringt die Formel des Ersten Wiener Heimorgelorchesters auf den Punkt: Witz, Wärme und Wunderlichkeit, gepaart mit kühler Analytik, punktgenauer Zeitkritik und hinterhältigem Charme. Der Song \"Vaduz\" – vom letzten Album \"Es wird schön gewesen sein\" – etwa wurde in Liechtenstein und der Schweiz ein Hit. Das britische Musikmagazin Rock’nReel bezeichnete das Werk als a \"jewel of electronica\". Und der Schauspieler Michael Ostrowski schmetterte zum adäquaten Musikteppich Donna Summers \"I Feel Love\". Die Präzision, Originalität und, ja, Exzellenz der billig-beiläufigen Tonspur erschließt sich erst nach und nach. Die Orgeln, die die Herren exklusiv malträtieren, kommen direkt aus dem Klangmuseum: kleine, kuriose, billige consumer keyboards der Marken Casio, Bontempi, Yamaha & Co. Ausschließlich. Und unsere Orchestermitglieder beherrschen sie virtuos – so virtuos, dass man sie auf die Bühne des Burgtheaters gebeten hat (\"Untertagblues\" nach Peter Handke), Stummfilme bei den Wiener Festwochen untermalen ließ oder zu Workshops beim Steirischen Herbst einlud. Die Nähe zur Literatur ist augen- und ohrenfällig. Das neue Album \"Ütöpie\" enthält neben den hitverdächtigen \"Wienerlied\" und \"Käseleberkäse\", auch Lieder, die die Gegenwart und Vergangenheit der Musikgeschichte reflektieren. Etwa wenn \"a drum a bass a drum\" durch den doppelten Wortsinn (a Dram, a besa Dram) den Austropop in einen neuen Kontext stellt. Oder wenn in der Titelnummer der Umlaut durch die Menschheitsgeschichte gejagt wird. Schließlich enthält die CD eine Hommage an den Dichter Ror Wolf, der heuer seinen 80. Geburtstag feiert und dessen Gedicht \"Das nordamerikanische Herumliegen\" vom EWHO vertont und von Ror Wolf selbst für die CD gesprochen wurde. Das neue Album \"Ütöpie\" ist ein Anstoß mehr, dieses Quartett als das zu werten, was es immer sein wollte. \"Die in gekonnter Dada-Manier ungeheuer starke Schlagwort- und Synonym-Zuweisung bäumt sich mit der hypnotischen Sound-Kulisse zu einer poetischen Protesthymne auf, einer brillanten Elektro- Minisymphonie der experimentellen Semantik…\" (Robert Glashüttner, FM4) [b]16€ / 8€[/b]

Infos & Tickets

Sa / 23.06.2012
20.00 Uhr
kunsthaus muerz / clix

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