Friederike Mayröcker

Neue Gedichte und Kurzprosatexte von Friederike Mayröcker: In den beiden Bänden Mein Arbeitstirol und Die kommunizierenden Gefäße (beide Suhrkamp, 2003) setzt die Autorin fort, was sie in einem jahrzehntelang andauernden und sich über nahezu einhundert Bücher erstreckenden Schreibprozeß entwickelt und auf die Spitze getrieben hat: Eine poetische Selbstbefragung, die sich den großen existentiellen Themen stellt und mittlerweile sämtliche Schamgrenzen hinter sich gelassen hat. Immer offener, direkter und radikaler ist Mayröcker in ihrem Schreiben geworden, indem sie in dieses Schreiben alles mit hineingenommen hat, was zu ihrem Leben gehört. Der Tod (auch und gerade auch des langjährigen Lebensgefährten Ernst Jandl), das Alter und der eigene Körper sind die Ankerpunkte, um die die neuen Texte kreisen. In ihrem unverkennbaren Stil, der immer wieder zu glasklaren poetischen Formen zusammen-schießt, nähert sich Mayröcker ihren Innen- und Außenwelten an. Die Sprache ist das unabdingbare Vehikel, über das alles läuft. In ihrem Schreiben, so hat die Autorin einmal gesagt, werde ja bloß etwas „wachgerüttelt“, das in der Sprache „schläft“. Das Arrangement der sprachlichen Materialien, das sie unternimmt, dient in erster Linie dazu, die dafür notwendigen Bedingungen zu schaffen. Auch im höheren Alter bleibt die schriftstellerische Arbeit einem Kinderspiel vergleichbar: Die angefertigten Notizen werden hin- und hergeschoben, ihre gegenseitigen Reaktionsweisen erprobt. Oft ist es die phonetische Ähnlichkeit, in der sich der Anlaßfall zur Hervorbringung und Anlagerung neuer sprachlicher Ausdrücke findet. Hinter dem einzelnen Wort tun sich für Mayröcker ganze Reihen ähnlich klingender Wörter auf, richtiggehende Kettenreaktionen werden ausgelöst, hier treibt die Sprache ständig zu neuen Blüten.

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Fr / 26.09.2003

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