HEIDRUN WIDMOSER

Urbanes Leben

Dass Kunst erst dann interessant wird, wenn wir vor etwas stehen, das wir nicht gleich restlos entschlüsseln und erklären können, dieser Meinung war Christoph Schlingensief und das Statement trifft passgenau auf die Bilder der Künstlerin Heidrun Widmoser zu.

Haben wir es mit Street-Art zu tun, die in einen geschützten Kunstraum transferiert worden ist? Oder sind es „Decollagen“ im Sinne Mimmo Rotellas? Oder geklebtem Konfettiregen, ergänzt durch breite Balkenstriche? Wie geht Heidrun Widmoser künstlerisch vor? Nun, als Ausgangspunkt für den gezeigten Werkzyklus „Urbanes Leben“ wählt sie Fotos aus, die sie auf Streifzügen durch internationale Metropolen wie Rom, Wien, Mexico City oder Berlin gemacht hat und zwar von Stellwänden und Litfaßsäulen, die mit ihren aufgeklebten Plakaten für verschiedenste Veranstaltungen und Zwecke werben. Der ästhetische Reiz dieser Flächen mit zum Teil abgerissenen Papierfetzen, verblassten und bereits veralteten Affichen und wieder Überklebtem, animiert die Künstlerin so zu neuen Bildern. Die Fotos werden zunächst am Computer nach neuen Kriterien bearbeitet und dann mit Pinsel und Eitempera auf die Leinwand übertragen. Der künstlerische Prozess wird aber nur bedingt durch diese Vorlagen diktiert, ad hoc entstehen während des Malens immer wieder neue Kompositionen. So drängen plötzlich rote und schwarze Farbspitzen pfeilartig von oben ins Innere des Bildes, heroische Bogenstriche behaupten sich unter einer italienischen Solidaritätsbekundung mit dem chilenischen Volk, in Hellblau wie aquarelliert wirkende hieroglyphische Eintragungen lassen uns rätseln, welche Plakate mit ihren Verzahnungen von Text und Bild ehedem um Aufmerksamkeit in der urbanen Landschaft geheischt haben.

Heidrun Widmoser schafft eine ganz eigene, sparsame Zeichensprache, die Muster ruhen alle auf weißem Grund, manchmal schleicht sich noch ein zartes Gelb oder ein dominantes Schwarz ein und diese rund geschwungenen Balkenlinien bilden dann ein überaus durchdachtes kalligraphisches Muster. Fast alle Bilder sind vom Ballast des Gegenständlichen befreit, was bleibt, ist eine Abrisswelt, sind Gedankenfetzen, zeitgenössische Vanitasbilder, die unsere allgemeine Vergänglichkeit belegen.
Brigitte Matthias

Dauer der Ausstellung: 15.10.2022 – 20.11.2022

Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag: 10 – 18 Uhr, Sonntag 10 – 16 Uhr

 

Heidrun Widmoser
Geb. in Meran/Italien

1981 Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien.
(Prof. Oberhuber, Prof. Caramelle )
Diplom 1988
1992: Stipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst
„ Progetto Civitella d’Agliano”, Italien
1995: Fotopreis der Landeshauptstadt Innsbruck
1995: Auslandsatelierstipendium bildende Kunst ROM des
Bundesministeriums für Unterricht und Kunst
2000: Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für künstlerisches
Schaffen, Malerei
1997: 3 Jahre Staatsatelier Museumsquartier Wien

 

Ausstellungen und Beteiligungen ( Auswahl )

2022 : “ Urbanes Leben” , Kunsthalle Mürz, A
“ Urbanes Leben” , Palais Mamming Museum Meran, Italien
2021 : 50x50x50 allen alles , Festung Franzensfeste, Franzensfeste Südtirol/Italien
2020 :#artigathome Zurück in die Freiheit, Galerie Prisma, ein Online Projekt des
Südtiroler Künstlerbundes, Bozen, Italien
Kunstradln, Millstatt, A
2019: between inside and outside – past and future, Gefängnislecarceri, Kaltern, Italien
Galerie Apex, Tirol
Kunstraum Hopfgarten, Tirol
2018: Großstadt.Landschaften, ÖBV, Wien
Stadtgalerie Bozen, Italien
2017: “Selfportrait”, Kunstforum Unterland
2016: Galerie Wolfrum, Wien
Galerie basement, „Phänomen – die andere (Ver)spannung, Wien
Kunstforum Unterland, Südtirol, Italien
2015: Wir sind Wien Festival, „23 Ateliers“
„Feuer und Flamme“, Sonderausstellung des Benediktinerstift Admont, Admont.
2014: „Reflexionen“, Galerie Gans, Wien
Café Kunsthaus, (www.kunstmeranoarte.org), Kunst Meran, Italien
2013: „Ansichtssache“, artP.kunstverien, Perchtoldsdorf, Österreich
2011: „open space“ Neue Galerie, Innsbruck
Galerie basement, Wien
2010: ART Internationale Kunstmesse, Innsbruck
2009: „Natur – die Schöpfung ist nicht vollendet“, Galerie im Traklhaus, Salzburg.
artdepot, Innsbruck
„Frauenzeit“, Galerie Denkraum, Wien
„Natur – die Schöpfung ist nicht vollendet“, Benediktinerstift Admont, Austria
2008: „Zeitlupe“, Galerie Gölles, Fürstenfeld, Österreich
2007: Galerie Denkraum, Wien
„Der wilde Blick“, Galerie Plank, Wien
2006: Galerie Schloß Damtschach, Wernberg, Österreich
2004: „Westend“, Palais Lichtenstein, Feldkirch
„scapes“ Ermittlung der möglichen Landschaften, Kunst Meran, Meran
2003: „Bellavista.Bellavita“, Postsparkasse, Wien
“Art Cuts” Palais Harrach, Wien
Kunst Wien 2003, MAK, Wien
Galerie Plank, Wien
2002: Art Lab, Galerie Hilger, Wien
„Tirol 2000“ Institut für Kunstgeschichte, Innsbruck

2001: Kunst Wien 2001, MAK, Wien Galerie U.B.R., Salzburg.
2000: Art Lab 2000, Galerie Hilger,Wien
Art Messe, Frankfurt

 

Sammlungen (Öffentlich / Privat)

Generali Foundation,
Sammlung Raiffeisen-Landesbank Tirol,
Land Tirol,
Land Südtirol,
Hotel Laurin Bozen,
Stadt Innsbruck,
Bundesministerium Wien Artothek,
Stadt Wien,
Siemens_artLab, Stift Admond,
Raiffeisen-Kunstsammlung Bozen.

 

Infos & Tickets

Fr / 14.10.2022
19.00 Uhr
galerie kunsthaus muerz

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