Heilige Messe im Münster

a cappella chor tulln Chorvereinigung Maienzeit Neuberg Maria Helfgott, Orgel Manfred Skale, Klarinette René Fürpass, Trompete Günther Schneeberger, Posaune Rudolf Zangl, Posaune Christian Steinacher, Schlagwerk Gottfried Zawichowski, Dirigent Ernst Kovacic, Gesamtleitung Ernst Krenek Deutsche Messe für Gemeindegesang, gemischten Chor, Orgel und Instrumente Anton Heiller Zwei Chöre a cappella Dem König aller Zeiten Schönster Herr Jesus Ernst Krenek (1900 – 1991) sagt im neunten Lied des \"Reisebuchs aus den österreichischen Alpen\": Wir in der Zeiten Zwiespalt haben es schwer. Damit meint er einerseits, einer Zwischengeneration anzugehören, der es versagt bleiben musste, epochale Evolutionsschritte zu setzen – diese fielen der davor liegenden Generation zu. Andererseits deutete er damit die politische Situation an, die dem radikal diktatorischen Nationalismus weltverdüsternd zusteuerte. Und außerdem spiegelt der Ausspruch wie auch immer das Spektrum seines riesigen Schaffens wider (allein die Nummerierung seiner Kompositionen reicht bis 240), das rasch wechselnde ästhetische Strömungen aufgreift. Wenn Krenek sich dem jeweiligen Zeitgeist eingliedert, geschieht dies nie ohne gedankliche Abstützung. Daraus resultieren seine stilistisch unterschiedlichen Schaffensperioden. Die erste (1920-23) ist – schlagwortartig vereinfacht – tonalitätsfrei, teilweise nachexpressionistisch. Die zweite (1924-26), sehr kurze, neoklassizistisch, französisch beeinflusst. Die dritte (1926-31) romantisch. In diese fällt der Welterfolg von \"Jonny spielt auf\" (1925/26), fälschlich als Jazz-Oper kategorisiert und den Nazi ein Gräuel, da darin ein Schwarzer die Handlung mitlenkt. Mit der vierten Schaffensperiode (1931-56) hat Krenek seine kompositorische Heimat erreicht: die Dodekaphonik. An deren Beginn steht das Hauptwerk schlechthin: \"Karl V.\", das Thema Rechtfertigung steht im Zentrum. Eine Aufführung an der Wiener Staatsoper wurde 1934 durch Nazi-Machenschaften unmöglich gemacht (\"entartete\" Musik), im letzten Moment gelang in Prag 1938 die Uraufführung. Im selben Jahr emigrierte er in die USA. Schließlich als fünfte die serielle Periode (1957 bis ans Lebensende), eigentlich die Weiterführung dessen, was sich im Reihendenken der Zwölftontechnik angebahnt hatte, aber insgesamt divergierend seriell, da Krenek eigene Regeln kreiert und überdies auch Stücke abseits strenger Vorgaben schreibt. Dazu zählt, mit der Werknummer 204, die Deutsche Messe für gemischten Chor, Gemeinde und Instrumente (1968), komponiert in Palm Springs, Kalifornien. Gebrauchsmusik, könnte man sagen, falls dieser Terminus nicht abwertend gemeint ist. Einfach bedeutet nicht billig, das Werk liefert die Bestätigung. Krenek hat wiederholt sakrale Musik geschrieben (nicht nur Kirchenmusik), darunter Proprien, Motetten, Psalmenverse, das elektronische Pfingstoratorium \"Spiritus intelligentiae sanctus\" (1955/56), eine \"Missa Duodecim Tonorum\", vor allem den beklemmend eindringlichen a-cappella-Klagegesang \"Lamentatio Jeremiae prophetae\" (1941/42). Für die \"Deutsche Messe\" verwendet Krenek eine lapidare, schnörkelfreie Tonsprache nahe dem tonalen Idiom, verhalten und prägnant. Der Text des Ordinariums ist so kurz wie möglich gehalten, das Credo auf die Kernaussage \"Wir glauben alle an einen Gott\" reduziert. Die Orgel fundiert das vokale Gewebe. Der vierstimmige Chorsatz ist überwiegend homophon, zuweilen mit polyphonen Ansätzen. Der schlicht diatonisch in Oktaven geführte Gemeindegesang, unterstützt von Trompete und Posaunen, löst den Chor responsorisch ab. Pauken und Schlagzeug (Triangel, Becken, Gong) schaffen gliedernde Akzente, die Bläser (einschließlich der Klarinette) sind sparsam eingesetzt. Harmonisch dominiert freie Tonalität ohne Rückfall in das funktionelle Korsett. Krenek hat offenbar auf Textverständlichkeit geachtet und sich an Palestrina orientiert, dessen Klangidiom jedoch in jenes des 20. Jahrhunderts transferiert. L. K. Mitveranstalter: kunsthaus muerz Greißlerei beim Münster Traude Holzer freier Eintritt

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So / 21.06.2009
10.00 Uhr
neuberg an der mürz / münster

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Do / 22.10.2020