La Nuit

baroque

Arianna Savall, Sopran

Petter Udland Johansen, Tenor

Armonico Tributo Consort

 

Wer die Augen schließt der sieht am besten (William Shakespeare)

 

Eine sinnliche Anrufung der Nacht mit Arianna Savall – Sopran, Petter Udland und Armonico Tributo Consort mit Musik aus Spanien, England, Frankreich und Deutschland.

Mit Werken von Dowland, Holborne, Purcell, Cabezon, Cárceres, Charpentier, Lassus, Schein, Albert und Hammerschmidt

 

Ad Notam

Dowland, Holborne, Purcell

Die Laute war das Instrument des John Dowland, und oft genug hat er darauf die zarten Finger seiner Lautenschülerinnen gesetzt. Dennoch war die sanfte Erotik Shakespeares nur selten das Thema des grüblerischen Dowland: „Semper Dowland, semper dolens“ lautete sein berühmtes Wortspiel über seinen Namen: „immer Dowland, immer in Schmerzen“. „Elizabethan Melancholy“, die elisabethanische Melancholie, hatte den Musiker so fest im Griff, dass er nicht aufhören konnte, sie in seinen Liedern zu besingen. Entsprechend schwermütig rief er dem Schlaf zu: „Come, heavy sleep, thee image of true death, and close up these, my weary weeping eyes“. „Komm, schwerer Schlaf, du Abbild wahren Todes, und schließe diese, meine verweinten Augen“. Anthony Holborne, der lebenslustige Zeitgenosse Dowlands, hatte die rechte Antwort auf derlei Abgründe parat: eine „Almaine“, den Vorläufer der

„Allemande“, in diesem Fall das Abbild einer grotesken Nachtwache, und danach einen „Lullaby“, ein Wiegenlied.

In den Schlaf gesungen wird auch die Elfenkönigin Titania in Shakespeares „Sommernachtstraum“. Jahrzehnte nach dem Tod des Dichters wurde aus seiner brillanten Komödie eine gigantische Bühnenshow, eine Revue aus dem stark gekürzten Schauspiel und vielen musikalischen Einlagen für virtuose Solosänger, Ballett, Chor und Orchester. Henry Purcell schrieb 1692 die Musik zu dieser bis dato teuersten Bühnenproduktion des barocken London. Die berühmte Szene, in der Titania mit einem Esel im Arm einschläft, also mit dem von Puck verwandelten Zettel, inspirierte Purcell zum feierlichen Auftritt der Nacht und ihres Gefolges. Doch auch lustige Feentänze durchziehen das Werk.

Die spanische Musik

In den Liedern und Consortstücken aus Spanien geht es zunächst um den Mond, dann um die biblische Susanna, die von den beiden lüsternen Alten im Bade begafft wird.  Aus der berühmten Chanson ,,Susanne un jour“ des Orlando di Lasso formten zahllose Komponisten verzierte Versionen, in Spanien „glosadas“ genannt. In Toledo, aber auch in Zaragoza und Valencia war der Villancico „Soleta y verge“ weit verbreitet, ein geistliches Lied von der Gottesmutter, das mal in Kastilisch, mal in Katalanisch gesungen wurde. Es ist eines der eindringlichsten Lieder, die Arianna Savall von ihrer Mutter übernommen hat, der unvergessenen Montserrat Figueras.

Charpentiers Frömmigkeit

Henri III, der letzte König aus dem Hause Valois, mochte die Verse Ronsards nicht. Er war am Ende seines kurzen Lebens in den „Krieg der drei Heinriche“ verstrickt und kämpfte an der Seite des Henri de Navarre gegen ihren gemeinsamen Widersacher Henri de Guise. Noch hundert Jahre später litt der Komponist Marc­ Antoine Charpentier unter den Folgen dieses tödlichen Konflikts. Denn Henri de Navarre bestieg am Ende als Heinrich IV. den Königsthron und begründete die Dynastie der Bourbonen. Als sein Enkel Ludwig XIV. in Versailles herrschte, war die letzte Nachfahrin des Henri de Guise in Paris kaltgestellt. Sie residierte fern vom Hof im riesigen Hôtel de Guise im Herzen der Pariser Altstadt, des Marais. Ihr Hauskomponist Charpentier lebte mit ihr gleichsam im „inneren Exil“ und füllte Hunderte von „Cahiers“, von Notenheften, mit überwiegend geistlichen Kompositionen. In ihrer Frömmigkeit und italienisch inspirierten Tiefgründigkeit wurden sie in Versailles wenig geschätzt. Dementsprechend hat Charpentier „La nuit“ auch nicht im strahlenden Festglanz des Hofes geschildert, sondern als die Heilige Nacht von Jesu Geburt. „In Nativitatem Domini Canticum“ steht als Titel über seinen fünf Weihnachtskantaten. In der vierten, komponiert 1690, schilderte er vor der Erscheinung des Engels die Kälte und Dunkelheit der Nacht auf den Feldern von Bethlehem, mit gedämpften Streichern in düsterem f-Moll und c-Moll.

Danach führen uns die Musiker noch einmal zurück in die Loire­ Schlösser der Valois-Könige. Dort sang man die Chansons des Orlando di Lasso ebenso gerne wie im Rest von Europa. Der Wallone Roland de Lassus verließ schon als  Zwölfjähriger seine Heimat, um den kaiserlichen Feldherrn Ferrante Gonzaga bis nach Palermo zu begleiten. Dort wurde er zu „Orlando di Lasso“. Unter diesem Namen war er später Kapellmeister der Lateransbasilika in Rom und des Herzogs von Bayern in München. Der polyglotteste Musiker seiner Zeit verstand sich auf alle Genres, auch auf die edle französische Chanson. „Susanne un jour“ haben wir schon im spanischen Programmblock gehört. „La nuict froid et sombre“ schildert die kalte, finstere Nacht in beeindruckend kompakten Akkorden und lebhaften „Madrigalismen“.

Gryphius und Biber

Eigentlich passen sie gar nicht zusammen, der lutherische Pastorensohn Andreas Gryphius aus dem niederschlesischen Glogau und der böhmische Jägersohn Heinrich Ignaz Franz Biber aus dem katholischen Wartenberg. Als Gryphius 1664 im heute polnischen Glogów starb, war Biber erst 20 Jahre alt und ein aufstrebender Geigenvirtuose, der alsbald in der Hofkapelle des Erzbischofs von Olmütz dem Repräsentationsbedürfnis eines barocken Kirchenfürsten dienen sollte. Für den schlesischen Protestanten Gryphius waren derlei katholische Hofriten nicht notwendig eitler Tand, denn in Rom bestaunte er rückhaltlos die Paläste und Kirchen. Doch sein geliebtes Schlesien hatte im Dreißigjährigen Krieg zu viel zu leiden. Gleich drei Mal wurde Glogau erobert:1632 von den Lutherischen, 1633 von den Kaiserlichen und 1642 von den Schweden. Gryphius konnte von den Leiden des großen Krieges ein Lied singen: ,,Betrübtes Schlesien / bestürtztes Vaterland / Was hast du / das der Grimm der Seuchen nicht verzehret? Das der geschwinde Blitz der Schwerdter nicht verheret? Was findet man bey dir / als Leichen / Stanck / und Brand?“ Im Westfälischen Frieden fiel Glogau wieder an das Habsburgerreich. Musikalisch beginnt dieser Block mit einer Intrada von Johann Hermann Schein, Leipziger Thomaskantor von 1616 bis zu seinem Tod 1630. Die „Kunst des Küssens“ ist das berühmteste Lied von Andreas Hammerschmidt, Johannisorganist im sächsischen Zittau eine Generation nach Schein. Als Hammerschmidt 1675 in Zittau starb, galt Heinrich Ignaz Franz Biber schon als der virtuoseste böhmische Geiger und Komponist in habsburgischen Landen. Seine „Nachtwächter-Serenade“ gewährt authentische Einblicke ins barocke Hofleben zu Salzburg, wo er als Hofkapellmeister seine größten Messen und Bühnenwerke schuf und mit dem Adelstitel „von Biber“ geehrt wurde. Das Abendlied des Königsberger Organisten Heinrich Albert, des Schülers von Schein und Vetters von Schütz, setzt den Schlusspunkt unter das Programm.

 

Kartenpreise und Abos: Einzelkarten 37€/26€, Einzelabo: 145€/87€, Partnerabo: 240€

Programmgestaltung: Lorenz Duftschmid

Aufgrund der aktuellen Vorschriften sind für die Veranstaltungen Platzreservierungen unter kunst@kunsthausmuerz.at oder von Mo. – Fr. von 10.00 bis 15.00 Uhr unter +43 3852 56200 erforderlich. Alle Veranstaltungen erfolgen unter Einhaltung der jeweils aktuellen Sicherheitsvorschriften.

Infos & Tickets

Do / 22.10.2020
19.30 Uhr
kunsthaus muerz
€ 37/26