Feuer kann vernichten. Und es kann Wärme und Energie spenden. Deswegen wird es in vielen Kulturen mit dem Göttlichen assoziiert. Mit Prometheus, der den Göttern das Feuer stiehlt, steht es am Beginn der Zivilisation und der Überlieferung, aber auch an deren imaginiertem Ende. Ob Erderwärmung, Waldbrände oder Kriege – es knistert im Moment gewaltig.
MY WORLD ON FIRE bringt Stadt und Land, Vergangenheit und Gegenwart, globale Perspektiven und lokale Setzungen in ein Spannungsfeld. Die Arbeiten kommen aus Österreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Tschechien, Deutschland, Australien und den USA. Einige entstehen eigens für diese Ausstellung: Jonathan Meese realisiert eine Installation vor Ort, neue Werke kommen unter anderem von Madeline von Foerster, Thomas Baumann und Xenia Hausner. Mit Martin Parr ist auch eine der prägenden fotografischen Stimmen unserer Zeit vertreten, ebenso Judy Chicago, deren Werk das Feuer seit Jahrzehnten als feministische und rituelle Energie begreift. Ein Votivbild aus dem Jahr 1777 spannt den historischen Bogen weit zurück – als Erinnerung daran, dass das Feuer immer schon Gegenstand von Angst, Hoffnung und Anrufung war.
Die Aufklärung wollte Licht in die Dunkelheit bringen, Vernunft gegen Aberglauben setzen, Klarheit gegen das Ungewisse. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wirkt dieses Versprechen brüchig. Doch jede Krise trägt auch die Möglichkeit der Transformation in sich. Im Februar 2026 beginnt das chinesische Jahr des Feuerpferds – ein Symbol für Energie, Leidenschaft, Mut und Wandel. Feuer erscheint hier nicht als Ende, sondern als Übergang.
Künstlerinnen und Künstler fungieren als Seismografen ihrer Zeit. Sie nehmen Spannungen auf, verstärken sie, übersetzen sie in Bilder, Formen, Gesten. Der Titel MY WORLD ON FIRE verweist genau auf diese doppelte Bewegung: auf die Erfahrung des Kontrollverlusts ebenso wie auf das Potenzial der Erneuerung. Der Phönix, der aus der Asche steigt, ist kein nostalgisches Bild, sondern eine existentielle Figur des Immer-wieder-Beginnens.
MY WORLD ON FIRE steht auch für die Leidenschaft, die in Künstlerinnen und Künstlern brennt, sowie für den Moment, in dem das Schaffen explodiert wie ein Feuerwerk – und alle, die es miterleben, elektrisiert. Das Pronomen „MY“ deutet an, dass Kunst immer eine eigene Welt oder zumindest eine Interpretation von dieser schafft. Und dennoch ein Verständigungsmittel über die gemeinsame Lage darstellt, indem sie Möglichkeiten aufzeigt, mit dieser umzugehen.
„Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert“, heißt es bei Rainer Maria Rilke, dessen 150. Geburtstag gerade gefeiert wurde. MY WORLD ON FIRE nimmt diese Aufgabe ernst und nähert sich ihr in den Medien Malerei, Zeichnung, Video, Skulptur, Textil, Fotografie und Installation. Wie in Otbergs kuratorischer Praxis zentral, sind Frauen stark präsent, von Stars wie Marina Abramović über etablierte Künstlerinnen wie Rosa Loy, Karin Kneffel und Elisabeth von Samsonow bis zu solchen der jüngeren Generation wie Melanie Ebenhoch oder Eline Vansteenkiste.
„Die Kunst ist meine Familie und meine Heimat“, sagt Mari Otberg, die im Rahmen der Ausstellung eine Solo-Schau zeigt. Feuer ist auch in ihren Arbeiten ein wiederkehrendes Motiv. Teil ihrer Ausstellung in der galerie kunsthaus muerz ist ihr bisher nicht gezeigter Werkzyklus OLYMPIA. Diese Serie ist kämpferischen Frauen gewidmet, die unerschütterlich danach streben zu gewinnen.
Mari Otberg bezeichnet sich gerne als „Mensch der Fülle“. Als leidenschaftliche Kommunikatorin versteht sie Ausstellung nicht als stilles Arrangement, sondern als lebendiges Ereignis. Ihre Projekte werden zu Happenings, zu Orten der Begegnung und Verdichtung. Das Kultlabel Starstyling installiert einen Pop Up Store mit einer speziell für diese Ausstellung entstandenen limited Edition.
Beim Opening tritt Lars Eidinger nicht nur als ausstellender Künstler, sondern auch als DJ auf – the heat is on!
Beteiligte KünstlerInnen:
Marina Abramović, Performance / Video
Christy Astuy, Malerei
Milo Barsan, Malerei
Thomas Baumann, Installation
Manfred Bockelmann, Malerei
Judy Chicago, Performance / Video
Marcel Dzama, Malerei
Melanie Ebenhoch, Skulptur
Lars Eidinger, Fotografie
Christian Eisenberger, Landart
Madeline von Foerster, Malerei
Marieli Fröhlich, Installation
Hermann Glettler, Installation
Xenia Hausner, Malerei
Siggi Hofer, Skulptur
Axel Jonsson, Malerei
Karin Kneffel, Malerei
Elke Krystufek, Malerei
Milan Kunc, Malerei
Joachim Lambrechts, Malerei
Annea Lockwood, Musik
Rosa Loy, Malerei
Jonathan Meese, Malerei / Installation
Rudi Molacek, Malerei
Muntean & Rosenblum, Installation
Lucien Murat, Malerei
Mari Otberg, Malerei
Martin Parr, Fotografie
Günter Parth, Fotografie
Ava Pivot, Fotografie / Fiona Bennett Hutkünstlerin
Katrin Plavčak, Malerei
Steven Pollock, Collage
Rafaela Pröll, Fotografie
Arne Quinze, Malerei
Alona Rodeh, Video
Elisabeth von Samsonow, Malerei / Zeichnung
Markus Scheiber, Grafikcollage
Titania Seidl, Malerei
Ivan Summersky, Malerei
Christian Stock, Malerei
Ed Templeton, Zeichnung
Eline Vansteenkiste, Malerei
Maja Vukoje, Malerei
Peter Wehr, Zeichnung
Nives Widauer, Stickbild
Votivbild Stift Admont
Pop up Store: STARSTYLING, Mode
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag: 10 – 18 Uhr, Sonntag: 10 – 16 Uhr
Dauer der Ausstellung: 26.04.- 14.06.2026