Konzept: Thomas Eder
Das Literaturfest und Symposium ist Peter Rosei aus Anlass seines 80. Geburtstages gewidmet, Rosei hat eines der umfangreichsten Werke der neueren Literatur deutscher Sprache geschaffen. Sein schriftstellerisches Debüt hatte Rosei 1972 mit dem Erzählband Landstriche, seinen ersten großen Erfolg 1977 mit dem Roman Wer war Edgar Allan?
Obgleich es durchaus stilistische und motivische Kontinuität erkennen lässt, gliedern deutliche Zäsuren das Werk Peter Roseis. Dominierte in den frühen Publikationen ein nüchterner, protokollarischer Ton, der Gesellschaft wie Natur mit radikalem Pessimismus schilderte – etwa in Entwurf für eine Welt ohne Menschen (1975) –, wich er später einer eher melancholischen bzw. sarkastischen Betrachtungsweise. Zugleich wurden die Bücher auf einen größeren Handlungsspielraum hin angelegt. Mehrfach sind die späteren Bücher Roseis in Zyklen organisiert, wie etwa das 15000-Seelen-Projekt aus den Achtzigerjahren oder auch die Wiener Dateien, beginnend mit dem Roman Wien Metropolis (2005). Darin versucht Rosei die österreichischen Befindlichkeiten in einer globalisierten Welt beispielhaft darzustellen. Seine Philosophie als Künstler hat Rosei in zahlreichen Essays konkretisiert. Vor allem sind hier seine Beiträge zu einer Poesie der Zukunft (1995) sowie Brown vs. Calder: Gedanken zur Dichtkunst (2015) zu nennen. Nebenher hat er als engagierter Zeitgenosse zu den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Verhältnisse in Österreich und der Welt immer wieder Stellung genommen.
Im Symposium umkreist werden soll vor allem der von Rosei geprägte Begriff einer „erweiterten Poetik“, die neben dem im engeren Sinn Literarischen auch auf andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und der Wissensproduktion ausgreift, genannt seien Ökonomie, Gesellschaftskritik, Politik, Systemtheorie, Komplexitätsforschung. Alle diese Bereiche seines Wirkens sollen in dem Symposium befragt werden und damit auch eine Verbindung zur gesellschaftspolitischen Relevanz von Literatur erprobt werden.
Donnerstag, 8.10.2026
19.00 Uhr
Thomas Eder: Erweiterte Poesie. Der Schriftsteller als Universalist, auch ein „Rebus“?
Peter Rosei: Lesung
Freitag, 9.10.2026
9.30-12.30 Uhr
Kurt Neumann: ERZÄHLSPIELE-R
Stefan Thurner: Dichtung und Komplexität
Karin Fleischanderl: Alles erfunden – oder doch nicht?
14.30-17.30 Uhr
Benedikt Ledebur: Erkenntnis im Erzählton – Streifzüge durch Peter Roseis Schriften
Thomas Poiss: Rosei vs. Rosei, Überlegungen zur Poetologie der „Beiträge zu einer Poesie der Zukunft“ und von „Brown vs. Calder“
Dieter Bandhauer: Ist Peter Rosei ein Moralist? Anmerkungen zu seinen Essays aus dem letzten Jahrzehnt
18.30 Uhr
Lesungen
Erwin Einzinger
Ferdinand Schmatz
Samstag, 10.10.2026
9.30-12.30 Uhr
Wolfgang Straub: „Zur Beschreibung soviel“. Der Schreibgestus des Frühwerks („Landstriche“) im Lichte der critique génétique
Renate Pittroff: Wiener Verhältnisse. Zu den drei Hörspielen „Mozarttreiben“, „Kaiser Franz Josef und sein Engel“ und „Hitler in Wien“
Daniela Bartens: Leben im Angesicht des ungeheuren Raumes“. Über die Aktualität von Peter Roseis „Entwurf für eine Welt ohne Menschen“
14.30-17.30 Uhr
Thomas Raab: Annehmende Beobachtung: Roseis Reisebeschreibungen
Gabriele Kaiser: Räume und ihre Organisation in „Wien Metropolis“
Ronald Pohl: Epochensignaturen bei Peter Rosei: Wie man über den Bürger spricht, so denkt er
18.30 Uhr
Lesungen:
Franz Josef Czernin
Ernst Nowak
Sonntag,11.10.2026
11.00 Uhr
Gespräch Peter Rosei
Lesung Peter Rosei
Foto Peter Rosei: Christiana Pock-Rosei