Peter Turrini : Turrini liest Turrini

Peter Turrini : Turrini liest Turrini Seit seinen Stücken Rozznjogd und Sauschlachten, seit der legendären Alpensaga im TV zählt Peter Turrini zu den bekanntesten Schriftstellern des deutschen Sprachraums, aber auch darüber hinaus. Seine dramatischen Texte, seine Lyrik und seine Essays weisen ihn als einen politischen Schriftsteller aus, der an der gesellschaftlichen Wirkfähigkeit ästhetischer Formen interessiert ist. Wenn etwa der Knecht Sepp in dem bahnbrechenden Volksstück Sauschlachten (1971) äußert: „i sags, wie ichs sagen kann, wies is“, wird damit die Turrini’sche Auffassung der Verbindung von Sprachkompetenz und Herrschaftsverhältnissen deutlich. Die aus der Sozialisation bedingte Fähigkeit zu sprechen formt das Weltbild des einzelnen zu seiner „Wirklichkeit“. Allerdings geht Turrini nicht die Falle der naiven Vorstellung, dass mit einer Änderung der Redeweisen zwingend eine Veränderung der realen Verhältnisse einherginge. Denn es obsiegt zwar in seiner frei nach Beaumarchais gebauten Komödie Der tollste Tag innerhalb des literarischen Textes der Sprachwitz über die Gewalt der herrschenden Macht, was Turrini als ein Merkmal der literarischen Komödie gilt. Gemessen an der Realität jedoch, beeilt sich Turrini hinzuzufügen, sei dies eine Illusion, „die Verhältnisse sind stärker als die Sprache, die Gewalt ist stärker als der Witz“. Dieses komplexe Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit zum Thema vieler seiner Texte gemacht zu haben und spannungsvoll vorzuführen, ist das Verdienst dieses Meisters des politischen Theaters. Einen Tag vor der Premiere seiner Neufassung des Stücks \"Die Minderleister\" am Grazer Schauspielhaus wird Turrini im kunsthaus muerz aus seinem Gesamtwerk lesen. Mit „Turrini liest Turrini“ wird dem Sprachwerk der auch ideale Interpret seiner selbst beigestellt. Peter Turrini, geboren 1944 in St. Margarethen in Kärnten, wuchs in Maria Saal auf und war von 1963 bis 1971 in verschiedenen Berufen tätig. Seit 1971 freier Schriftsteller, lebt in Retz. Mit seinem ersten Theaterstück Rozznjogd (Uraufführung 1971 am Wiener Volkstheater) wurde Turrini schlagartig bekannt. Es folgen Stücke, u.a. Sauschlachten, Münchner Kammerspiele 1972; Josef und Maria, Volkstheater Wien 1980; Die Minderleister, Akademietheater Wien 1988; Alpenglühen, Burgtheater Wien 1993; Die Liebe in Madagaskar, Akademietheater 1998; Die Eröffnung, Schauspielhaus Bochum 2000; Ich liebe dieses Land, Berliner Ensemble 2001; Der Riese vom Steinfeld, Wiener Staatsoper 2002; Da Ponte in Santa Fe, Salzburger Festspiele 2002, Bei Einbruch der Dunkelheit, Stadttheater Klagenfurt, 2006; Mein Nestroy, Theater in der Josefstadt 2006, Gedichtbände, Drehbücher, Reden und Essays. Turrinis Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, seine Stücke werden weltweit gespielt. Im Suhrkamp Verlag erscheint eine umfassende Werkausgabe (herausgegeben von Silke Hassler). Pressezitate: Turrini liest Turrini: Hier steht der Vorleser, der Schauspieler Turrini dem Autor Turrini in nichts nach. 70 Minuten Turrini live, ein Ausnahmeereignis. (Berliner Morgenpost, 2002) Turrini lesen hören ist ein Erlebnis für sich. (Buchkultur, 2003)

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Do / 19.04.2007

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