Christian Reiner – Stimme, Diktafon
Martin Siewert – Electric Guitar, Lapsteel, Electronics
„Einen kleinen Augenblick. Legen Sie sich einen Augenblick auf den Boden. Es war am Meer. Und auf einmal ein Wal. Günther hat gekocht. Anita war nur ganz kurz in Ägypten. Gemütlich ist das nicht.“
Christian Reiner und Martin Siewert verbinden in „weiter“ experimentelle Musik mit Hörspielelementen und Realtime-Poesie. Dabei finden sowohl Alltagssprache und Lautsprachen als auch radikal abstrahierte Dada-Lyrik Verwendung, alles in einer in Echtzeit improvisierten zeitgenössischen Ästhetik, die sich im weiten Spannungsfeld von Noise, experimenteller Glitch-Elektronik und abstrakter improvisierter Musik bewegt.
«erstens» is the first album of Reiner and Siewert, who collaborated many times before and performed in the 2021 edition of the Saalfelden Festival in a quintet with Weber, Zoubek and drummer Jim Black, and it represents the most experimental sides of both artists. Reiner composed the texts, all of them are in German, and quotes in one piece («Gewöhn Dich Nicht Daranthe») German poet Christian Morgenstern and in another piece («Nichts Gesagt»), the post-war German poet Marie Luise Kaschnitz. Siewert improvised-composed the music in real-time, recorded, mixed and mastered the 11 songs in his Viennese studio.
Siewert’s imaginative raw and noisy sonic ideas anchor Reiner’s poetic musings in industrial, urgent and urban settings. Reiner’s dramatic voice often becomes a sound source for the thorny entanglements of Siewert, and Reiner adapts his dadaist delivery to the sudden rhythmic patterns and his rough sounds of Siewert (check «rsbstl» and «Mit 24 Vögeln»). The longest pieces «Anita» and «Nichts Gesagt» capture best the theatrical and dadaist-eccentric vocal artistry of Reiner and the idiosyncratic sonic vision of Siewert and both pieces have evocative, haunting emotional power.
Eyal Hareuveni
(Eyal Hareuveni, https://salt-peanuts.eu/record/christian-reiner-martin-siewert/)
Christian Reiner
Christian Reiner, geboren 1970 in München, ist Sprecher, sein Instrument Stimme. Seine improvisatorischen Arbeiten sind zwischen Musik und Sprache angesiedelt. Seine Stimme und seine konzentrierte Sprachgestaltung setzt er in Lesungen, Hörspielen, bei Film, Funk Theateraufführungen und in Konzerten mit unterschiedlichsten Ensembles ein.
Er hat 3 Solo-Spoken Word Alben mit Gedichten bei ECM Records veröffentlicht, darunter Friedrich Höderlins „Turmgedichte“. Mit Bands wie Weisse Waende, Fünf und in unterschiedlichen Formationen mit improvisierenden Musiker*innen tritt er international in Festival- und Clubkontexten in Erscheinung. 2021 war er als Artist in Residence mit 5 Projekten am Jazzfestival Saalfelden eingeladen. Bei den Salzburger Festspielen trat er 2018 gemeinsam mit dem Klangforum Wien auf und spielte und sprach 2022 in der von Romeo Castellucci inszenierten Oper De temporum fine comoedia von Carl Orff. (christianreiner.com)
Martin Siewert
Martin Siewert, geboren 1972 in Saarbrücken, wirkt als Gitarrist & Improvisator, aber auch als Komponist in akustischen und/oder elektronischen Kontexten, zahlreiche Kollaborationen und Kompositionen für Theater, Tanz & Film.
Aktuelle Projekte und Bands: RADIAN (mit Martin Brandlmayr & Manu Mayr), ALSO (Duo mit Katharina Ernst), TRAPIST (mit Martin Brandlmayr & Joe Williamson), DUO SIEWERT/KLEMENT (mit Katharina Klement), FAKE THE FACTS (mit dieb13 & Mats Gustafsson), THE PEELED EYE (mit Boris Hauf, Steve Heather & Christian Weber), Duo BIRGIT MINICHMAYR / MARTIN SIEWERT.
Darüber hinaus arbeitet er auch regelmäßig im Bereich Neuer Musik – Auftritte u. a. bei Wien Modern, Maerzmusik Berlin, ORF musikprotokoll im steirischen herbst, Klangspuren Schwaz, Wittener Tage für Neue Kammermusik und den Darmstädter Ferienkursen. Über 60 CD-Releases und Konzerttätigkeit auf 5 Kontinenten.
Bild: Andrea Schumi