Ulf Stolterfoht liest Fachsprachen

Ulf Stolterfoht, geb. 1963 in Stuttgart, lebt in Berlin, hat mit seinen beiden Gedichtbänden fachsprachen (1998 und 2002 bei Urs Engeler erschienen) der deutschsprachigen Dichtung ein entscheidendes Kapitel hinzugefügt. Mit den Gedichten in diesen Bänden geht Stolterfoht der Rede- und Aussagemöglichkeit \"Gedicht\" in einer Umgebung nach, die ihr Ideal in exaktem Sprachgebrauch und Spezialisierung des Diskurses sucht. Stolterfoht begegnet dem antiken Vorwurf gegen die Dichtung, sie gebe nur fälschlich vor, über alle die Bereiche ihrer Gegenstände Bescheid zu wissen, und sei deshalb den Einzelwissenschaften und Handwerken unterlegen, indem er gleichsam sein Dichterroß verkehrt herum aufzäumt: Die Sprache der Spezialisten muß sich auf dem Prüfstand seines Dichtens bewähren und in veränderter Weise zu sich kommen. So bleibt der Dichter zuerst bei seinem ihm angestammten Leisten – der Gedichtsprache – und nähert sich zugleich über die Vermittlung dessen, was die einzelnen Sprachen meinen, den unterschiedlichen Gegenständen zurecht aus einem universalistischen, kundigen, ersten Blickwinkel. Der Berliner Literaturtheoretiker, -kritiker und Essayist Sebastian Kiefer wird die Dichtung Ulf Stolterfohts in die Tradition der avantgardistischen Dichtung einordnen. Stolterfoht habe sich einige Techniken der klassischen Avantgarde anverwandelt und sie mit zeitgenössischen sprachtheoretischen Fragestellungen verknüpft. Nur das Durchgehen durch die Methoden und Probleme der jüngeren Literatur-Geschichte (etwa: Gottfried Benn oder Reinhard Priessnitz) eröffne den Raum für zeitgenössisch und überzeitlich relevante Dichtung.

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Di / 29.04.2003

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